Deutschfreiburger Heimatkundeverein

Für eine anerkannte und geförderte Zweisprachigkeit

Zweisprachiger Kanton Freiburg mit Territorialitätsprinzip

Der Kanton Freiburg ist offiziell zweisprachig, mit Französisch und Deutsch als Amtssprachen – dies ist in der Kantonsverfassung von 2004 (Art. 6) verankert. Es gilt zudem das Territorialitätsprinzip, das Staat und Gemeinden verpflichtet, auf die herkömmliche sprachliche Zusammensetzung der Gebiete zu achten und auf die angestammten sprachlichen Minderheiten Rücksicht zu nehmen. Das Territorialitätsprinzip darf aus Sicht des Deutschfreiburger Heimatkundevereins nicht schwergewichtig in seinem abgrenzenden Gedanken interpretiert werden, sondern im Zentrum sollte die Rücksicht auf die sprachlichen Minderheiten stehen. Der Umgang einer Gemeinschaft mit ihren Minderheiten ist ein Zeichen ihrer Toleranz, ihrer Offenheit, ihres Verantwortungsbewusstseins und ihrer Selbstsicherheit.

Zweisprachigkeit muss gelebt werden

Die Zweisprachigkeit des Kantons Freiburg und vieler Freiburgerinnen und Freiburger ist ein zentrales Merkmal und ein Trumpf, aus dem Freiburg aber mehr machen könnte und müsste. Zweisprachigkeit wird im Alltag – meist ganz selbstverständlich – gelebt, braucht aber auch Unterstützung. Viele Unternehmen, Institutionen und Gemeinden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und nutzen damit auch die Chance, die die Zweisprachigkeit als Standortfaktor bietet. Der Entscheid des Bundesrates vom Juni 2010, die Universität und die Pädagogische Hochschule Freiburg bei der Entwicklung eines Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit zu unterstützen, ist ein positives Zeichen und ein Erfolg für Freiburg. Er sollte aber auch Ansporn sein, voll auf die Zweisprachigkeit zu setzen. Noch fehlen die nötige Konsequenz und teilweise der Mut.

Mehrsprachigkeit versus Zweisprachigkeit

Die heutige Situation in Wirtschaft und Gesellschaft verlangt nicht bloss nach Zweisprachigkeit, sondern immer stärker nach Mehrsprachigkeit. Das eine tun, heisst aber nicht, das andere (unter-)lassen: Mehrsprachigkeit darf vor allem nicht gegen Zweisprachigkeit ausgespielt werden, sondern Zweisprachigkeit bildet die ideale Grundlage für eine Mehrsprachigkeit. Und nicht zuletzt dazu sind autochthone (alteingesessene, angestammte) Minderheiten besonders zu schützen und zu fördern.

Die Stadt Freiburg ist gefordert

In Gemeinden mit einer bedeutenden angestammten sprachlichen Minderheit können – gemäss Kantonsverfassung – Französisch und Deutsch Amtssprachen sein. Trotz Mehraufwand setzen einzelne Gemeinden gezielt auf die Zweisprachigkeit, wobei das Vorzeigebeispiel heute die Seebezirkler Gemeinde Courtepin ist, die 2007 dafür auch den Preis der Deutschfreiburger Arbeitsgemeinschaft erhalten hat. Leider bestenfalls halbherzig gegenüber der Zweisprachigkeit verhält sich dagegen die Kantonshauptstadt Freiburg. Eine Sprachenpolitik, wie sie Biel betreibt, ist aus Sicht des HKV auch für Freiburg angezeigt. Die Doppelbeschriftung Fribourg/Freiburg, wie sie bei der Beschilderung am Bahnhof 2012 (parallel zu jener in Murten/Morat) eingeführt wurde, ist ein wichtiges und erfreuliches Zeichen. Die Öffnung muss aber weiter gehen.

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