Deutschfreiburger Heimatkundeverein

Ein halbes Jahrhundert Wasserkraftwerk Schiffenen

Stromlieferant und Naherholungsgebiet

Seit rund einem halben Jahrhundert steht die Stauanlage mit Elektrizitätswerk bei Schiffenen. Die 47 Meter hohe Bogenmauer staut die Saane bis hinauf zur Stadt Freiburg und bildet einen bis zu 13,5 Kilometer langen See, dessen Druck sie auf die Talflanken ableitet. Das Werk, 1964 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht, produziert durchschnittlich 133 Mio. kWh pro Jahr und bildet so im Kanton einen wichtigen Pfeiler der Energieversorgung. Positiv zu vermerken ist auch die Rolle des fjordartigen Sees und seiner pittoresken Ufer als Naherholungsgebiet.

Vor hundert Jahren erkannt, vor 50 Jahren gebaut

Bereits kurz vor dem 1. Weltkrieg wurde das Potenzial des Tales zur Gewinnung von Elektrizität erkannt: Hans Maurer, Oberingenieur der Industriellen Betriebe und später der Freiburgischen Elektrizitätswerke (FEW), sah in seiner Studie zu ausführbaren Wasserkraftwerken im Kanton Freiburg auch flussabwärts von Freiburg ein Speicherbecken vor. Aufgrund des steigenden Energiebedarfs wurde das Projekt in den 1950er Jahren konkret. Verschiedene Varianten standen zur Diskussion, darunter solche, die die Umleitung der Saane in den Murtensee vorsahen. Gewählt wurde schliesslich eine Lösung in Schiffenen mit dem Elektrizitätswerk am Fuss der Mauer und direkter Rückleitung des Wassers ins Saanebett. Das Gefälle bis Laupen, zur Kantonsgrenze, konnte ohne Stollen genutzt werden, indem das Abflussbett abgesenkt wurde (bis 13 m).

Keine Opposition gegen das imposante Werk

Am 24. November 1959 genehmigte der Grosse Rat die Vorlage ohne Opposition. Die zuständige Kommission habe sich nicht nur mit den technischen und finanziellen Fragen befasst, hiess es, sondern auch „der menschlichen Seite des Problems alle Aufmerksamkeit geschenkt“. Es sei „unvermeidlich, dass ein gutes Stück geliebten Heimatbodens unter Wasser kommt.“ Die betroffene Landschaft wurde im Grossen Rat fast nur an seinem ökonomischen Wert (insbesondere als Landwirtschaftsland und Steuersubstrat) gemessen, Fragen von Natur- und Landschaftsschutz gingen ganz unter; nur die Denkmalkommission setzte sich für die Erhaltung einer Kapelle ein. Auch der Heimatkundeverein, dessen Präsident zu diesem Zeitpunkt Staatsrat Alfons Roggo war, begehrte nicht auf. Zwei Jahrzehnte später, im Volkskalender 1983, hält der damalige Präsident Moritz Boschung fest, das Schiffenenwerk wäre „im Zeitalter eines inzwischen erstarkten Natur-, Heimat- und Landschaftsschutzes kaum mehr so unbestritten ausführbar“ gewesen.

Verlust einer einzigartigen Auenlandschaft

Das imposante Projekt ging tatsächlich nicht ohne beträchtliche Verluste über die Bühne: Mehrere Familien mussten ihre Existenzgrundlage aufgeben; eine ganze Reihe von Gebäuden, Brücken und auch ein Kieswerk wurden abgebrochen; 182 ha Ackerboden, 101 ha unproduktiver Boden, 110 ha Wälder, Hecken und Ufer sowie 34 ha Flusslauf wurden überflutet; auch unterhalb der Staumauer veränderte sich das Tal durch den Kanal grundlegend. Was hinter den nackten Zahlen steckt, lässt sich heute noch durch altes Foto- und Filmmaterial und vor allem zwei Bücher ermessen: die Ausgabe 1961 der Deutschfreiburger Beiträge zur Heimatkunde (siehe Downloads unten) und den neuen Bildband „Schiffenensee – Das versunkene Saanetal“ (2011, Hrsg. Verein O.S.K.A.R.). Eine romantische, naturkundlich äusserst wertvolle Flussauenlandschaft wurden genauso überflutet wie das weitherum bekannte Bad Bonn.

Generalversammlungen des HKV vor Ort

Tatenlos schaute der HKV Anfang der 1960er-Jahre nicht zu: In den erwähnten Beiträgen zur Heimatkunde, Jahrgang 1961, befassten sich namhafte Autoren mit der Flora und Fauna genauso wie mit Flurnamen und Kulturgütern des Saanetales zwischen Freiburg und Laupen. Die GV 1961 fand in der Kantine der Bauarbeiter bei Schiffenen statt und die GV 1962 führte nach Bad Bonn, dessen Geschichte thematisiert wurde. Die Archivbestände des HKV zeigen, dass es durchaus kritische Stimmen gab. Jedoch spielte damals der Naturschutz in der ganzen Gesellschaft kaum eine Rolle und eine Opposition des HKV wäre auch bei der Mehrheit der Mitglieder auf Unverständnis gestossen. 50 Jahre nach der GV an der Baustelle kehrt der HKV zur GV 2011 wieder zum Elektrizitätswerk Schiffenen zurück. Dazu hat der HKV auch ein Faltblatt herausgegeben (siehe Downloads unten).

Band 1961 kapitelweise als PDF zugänglich

Der HKV hat die Generalversammlung 2011 zum Anlass genommen, nicht nur ein Faltblatt zur Thematik herauszugeben, sondern auch die vergriffene Publikation im Internet kapitelweise zugänglich zu machen. Band 32 wurde Anfang 1962 mit einer Auflage von 700 Exemplaren gedruckt und den Mitgliedern des Heimatkundevereins des Sensebezirks und der benachbarten interessierten Landschaften (damaliger Name des Deutschfreiburger Heimatkundevereins) zugestellt.

Deutschfreiburger Beiträge zur Heimatkunde, Band 32, 1961

Faltblatt zur HKV-Generalversammlung 2011

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