Deutschfreiburger Heimatkundeverein

Impressionen aus den Veranstaltungen 2015/16

September 2016: GV in Murten

Auf dem Weg zur Fusion

Die Generalversammlung 2016 hat der Deutschfreiburger Heimatkundeverein am 17. September in Murten durchgeführt. Präsident Franz-Sepp Stulz (Foto 2) blickte im Ratssaal des Städtchens vor rund 60 Anwesenden auf das vergangene Vereinsjahr zurück, erinnerte etwa an die verschiedenen Veranstaltungen. Die Diskussion um einen neuen Vereinsnamen ist in den letzten Monaten zugunsten eines Austausches über ein Zusammengehen mit der Deutschfreiburgischen Arbeitsgemeinschaft (DFAG) in den Hintergrund getreten. Die Aktivitäten und Interessen der beiden Vereine decken sich weitgehend (Kultur und Sprache in Deutschfreiburg) und ergänzen sich in idealer Weise (Natur und Landschaft in Deutschfreiburg, Zweisprachigkeit, Theater in Freiburg). Als Pendant zum Deutschfreiburger Landschaftspreis des HKV vergibt die DFAG beispielsweise den Deutschfreiburger Kulturpreis und den Preis für Zweisprachigkeit. Karl Fäh (Foto 4) bestätigte als Vertreter der DFAG den Willen seines 1959 gegründeten Vereins, die Kräfte zu bündeln und so noch eine Spur gewichtiger und schlagkräftiger zu werden. Die Mitglieder der DFAG hatten bereits Anfang Woche einstimmig für die Fusionsgespräche grünes Licht gegeben. Ebenfalls einstimmig folgten die HKV-Mitglieder dem entsprechenden Antrag ihres Vorstand. Die beiden Vereinsvorstände werden nun in einer Arbeitsgruppe die Fusion für 2017 vorbereiten.
Nicht mehr im Vereinsvorstand wird Alexis Maeder (Murten) mitmachen. Nach sieben Jahren tritt er aus beruflichen und familiären Gründen aus dem Vorstand aus, bleibt dem Verein aber als HKV-Vertreter in der kantonalen Kulturkommission erhalten. Nachdem Pascal Aebischer ihn verabschiedet hatte, holte Charles Folly dies für Trudi Schneuwly (Schmitten), die bereits im letzten Jahr ausgeschieden ist, aber an der GV damals nicht hatte teilnehmen können. Sie macht weiterhin mit in der Arbeitsgruppe Veranstaltungen. Als neues Vorstandsmitglied stellte Franz-Sepp Stulz die 24-jährige Michelle Stirnimann aus Kerzers vor, die mit Applaus aufgenommen wurde.
Staatsratspräsidentin Marie Garnier (Foto 5) überbrachte die Grüsse der Kantonsregierung und bot –als für das Zivilstandswesen im Kanton Zuständige – auch gleich ihre Hilfe bei der Heirat der beiden Vereine an. Stadtammann Christian Brechbühl (Foto 6) präsentierte die Gemeinde Murten und sprach insbesondere über die auf 2016 vollbrachte Fusion mit mehreren Nachbargemeinden. Auf den offiziellen Teil, der von der Musikschule Rübenloch (Foto 7) umrahmt wurde, folgte ein kultureller Teil, in dem sich die Anwesenden in drei Gruppen ins Museum (Ausstellung), an den See (Auswirkungen der Juragewässerkorrektionen) oder ins Berntor (Uhrwerk) führen liessen.

Die Unterlagen zur GV finden sich in der entsprechenden Rubrik (“Dienstleistungen”).

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Juni 2016: Burg Obermaggenberg

Aus Mittelalter und Mittelsteinzeit

Am Samstag, 18. Juni 2016 lud der Deutschfreiburger Heimatkundeverein zur Besichtigung der Burgruine Obermaggenberg und der darunter liegenden Schärmflueh ein. Etwas mehr als 20 interessierte Personen folgten der Einladung trotz des unsicheren Wetters.
Barbara Bär (Foto 5) vom archäologischen Dienst erklärte den Ort im Sensebezirk, an dem die ältesten Spuren menschlichen Lebens nachgewiesen werden können. In der Mittelsteinzeit wurde der Platz unter einem Felsschutzdach regelmässig von Jägern und Sammlerinnen besucht. Michel Mauvilly (Foto 6), der Mann für Experimental-Archäologie, zeigte viele Gegenstände, die hier gefunden wurden. Sehr interessant waren auch seine nachgebauten Pfeile, Pfeilbogen und anderen Waffen.
Die Schärmfluh machte ihrem Namen alle Ehre: Aufgrund des einsetzenden Regens gab Charles Folly (Foto 8) seine Erklärungen zu den Maggenbergern und ihrer Burg Obermaggenberg „am Schärm“. Die über zwanzig interessierten Personen trotzten anschliessend dem Regen und besichtigten unter Charles Follys kundiger Leitung die Ruine, die seit 1927 Eigentum des Heimatkundevereins ist.
Beim abschliessenden Apéro bei der Familie Ulrich auf Obermaggenberg konnten sich alle aufwärmen und sich über das Gesehene austauschen. Weitere Informationen zur Burg

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Mai 2016: Der Seeländerspargel

Hege und Pflege eines edlen Gemüses

Am 14. Mai 2016 versammelten sich 45 Personen in Kerzers Silberbrünnen, um mehr über das edle Gemüse zu erfahren, das mittlerweile in grossen Mengen im Seeland angebaut wird.
Pünktlich um 14 Uhr konnten Urs Johner und Jakob Schwab, die Referenten von der Spargel GmbH Kerzers, mit der Führung beginnen.
Die Führung beinhaltete zwei Teile: 1. Anbau, Pflege und Ernte des Spargels und 2. Verarbeitung der Spargeln mit hochtechnisierten Maschinen. Mit Herzblut für die Sache erzählten die Spargelbauern von ihrer Arbeit, ihren Investitionen und Erfolgen. Die vielen interessanten Fragen aus der Besucherreihe bereicherten die Führung.
Die Spargelsetzlinge stammen aus Norddeutschland. Schon nach einem Jahr im neuen Boden sind sie für die Ernte bereit. Nach sieben Jahren lassen Qualität und Ertrag nach. Neue Spargelpflanzen ersetzten die alten, jedoch auf neu angelegten Äckern. Der Bleichspargel wächst unter angehäufter Erde, dem Damm. Eine feste Folie überdeckt die Dämme, um Verfärbungen durch Licht am Spargel zu vermeiden. Der Bleichspargel wird unter der Erde gestochen, der Grünspargel über der Erde geschnitten.
Nach der Ernte werden die Spargeln mit Hochdruck gewaschen und anschliessend unsortiert im Kühler unter einem Kaltwasserregen auf 2° C abgekühlt. In der Weiterverarbeitung übernimmt das Förderband die Spargeln. Da werden sie alle auf die gleiche Länge geschnitten, in der Fotomaschine bis zu vier Mal fotografiert und anschliessend in den entsprechenden Behälter gekippt. Die Maschine sortiert nach Durchmesser, Wuchs und Verfärbungen. So ergeben sich über zwanzig Güte-Kategorien. Anschliessend werden die Spargeln abgepackt und ausgeliefert. Abnehmer sind Grossverteiler sowie Restaurants, Hofläden und Privatpersonen.
Bei Wein, Speckzopf und Vinaigrette-Spargeln tauschten die Teilnehmenden noch einige Gedanken über das neu Erfahrene aus. Alle waren des Lobes voll.

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März 2016: Freiburg – die Brückenstadt

Aus Holz, Eisen, Stein und Beton

Über vierzig Personen haben sich am 5. März 2016 – trotz Nässe und Kälte – bei der Poyabrücke eingefunden. Unter dem Motto „Freiburg – die Brückenstadt“ folgten sie der Stadtführung des Deutschfreiburger Heimatkundevereins.
Vorstandsmitglied Charles Folly erzählte, dass die Poyabrücke als jüngste Brücke der Stadt zwar erst 2014 eingeweiht wurde, aber Pläne für eine Verbindung des Schönbergs mit der Agy-Ebene schon lange vorher bestanden hatten. Nach der Überquerung der Neigles-Hängebrücke und der Brücke am Grabensaal ging es zur die Zähringerbrücke.
„Eine Brücke ist nicht bloss ein Objekt, das A und B verbindet“, sagte der zweite Führer, der Landschaftsarchäologe Jean-Pierre Dewarrat aus Lausanne. Er beschäftigt sich intensiv mit der Bedeutung von Bauten für die Gesellschaft. Erst eine Brücke mache aus Stellen an einem Fluss Orte. Jean-Pierre Dewarrat bezeichnete die Zähringerbrücke als die Ikone der Stadt.
Charles Folly wies darauf hin, dass sie eine wichtige Verbindung zwischen der Stadt und dem Sensebezirk darstellte. Gleichzeitig habe die Zähringerbrücke aber das Auquartier vom Leben abgeschnitten. Noch mehr ins Abseits sei das Altstadt-Quartier durch die Perolles- und die Galterenbrücke geraten; das einstige Industriequartier sei so zu einem Armenquartier verkommen.
In der Unterstadt überquerte die Gruppe mit der Bernbrücke den ersten Saaneübergang der Stadt – wahrscheinlich habe dort schon eine Brücke gestanden, als Freiburg noch gar nicht existierte. Charles Folly betonte die Wichtigkeit einer solchen Brücke für die Entstehung und Entwicklung einer Stadt. Bei freundlicherem Wetter führte der Weg weiter über die Mittlere Brücke und die St.-Johann-Brücke, die den Endpunkt der Veranstaltung bildete. Diese drei Brücken verbanden im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts die Altstadt mit dem Burgquartier und machten die Obere Matte zum zentralen Verkehrspunkt.
Dass die verbindende Wirkung von Brücken auch ihre Grenzen haben kann, erzählte eine Teilnehmerin, die in der Unterstadt aufgewachsen ist: Die Mittlere Brücke bildete früher die Grenze zwischen Neu- und Altstadt. „Wenn sich die Kinder aus der Neuveville auf die Altstadt-Seite der Brücke vorwagten, wurden sie verprügelt.“

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November 2015: Pfarrkirche Wünnewil

Wieder in bunten Farben

Am Samstag, 14. November 2015 fanden sich bei frühlingshaftem Herbstwetter rund 40 Interessierte zur Veranstaltung des Heimatkundevereins in der Pfarrkirche Wünnewil ein.
Die Pfarrkirche St. Margareth ist 1932/33 als erste moderne Kirche des Bezirks errichtet worden. Sie erfuhr 2013/14 eine vollständige Restaurierung des Innenraums. Seit 2014 erstrahlt sie wieder in ihrem ursprünglichen bunten Farbenkleid.
François Guex vom Amt für Kulturgüter und der Restaurator Christoph Fasel haben die Restaurierungsarbeiten eng begeleitet. Die beiden Experten berichteten über die Geschichte der Kirche, ihre Bedeutung als Bauwerk und die Restaurierungsarbeiten.
Dabei erfuhren die Veranstaltungsteilnehmenden von François Guex einiges über die architektonischen Besonderheiten dieser Kirche, die nach den Plänen des Malers und Architekten Augustin Genoud errichtet wurde. Dabei wurde auf viele Details aufmerksam gemacht, die wohl den meisten der Teilnehmenden bis anhin verborgen geblieben waren, etwa der Grundstein der Kirche oder die Glasfenster im Chor, die den Bauarbeitern der Kirche gewidmet sind.
Der Restaurator Christoph Fasel erläuterte eindrücklich, wie er den Farben der Kirche auf die Spur kam und welche Überraschungen er dabei erlebte; waren doch die anfänglichen Farben nach den Kriegsjahren unter einem graubraunen Farbanstrich verschwunden. In sorgfältigen Sondierungsarbeiten hat er die ursprünglichen Farben bestimmt; für den Blauton hat er gar eine eigene Mischung hergestellt.
Saniert wurde ebenfalls der Altar, die Bilder des Kreuzganges sowie die Marienkapelle. Auch technisch wurden Neuerungen durchgeführt; so wurden die Akustik verbessert und die Heizung den aktuellen Standards angepasst. Heute empfängt die Kirche ihre Besucher wieder mit hellen Farben und einem einladenden Innenraum.

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Oktober 2015: Breccaschlund – Alpwirtschaft wohin?

Ein Augenschein vor Ort

10. Oktober 2015. Um 10 Uhr trifft sich eine motivierte und interessierte Wandergruppe, Mitglieder des Deutschfreiburger Heimatkundevereins HKV und Gäste, in Schwarzsee beim Schwyberg-Parkplatz. Walter Vonlanthen (Organisator der Veranstaltung) begrüsst die rund 20 Teilnehmenden und stellt die Referenten vor: Oskar Lötscher (Vizepräsident alpwirtschaftlicher Verein des Kantons Freiburg, Foto 3) und Franz-Sepp Stulz (HKV-Präsident und im Auftrag von Pro Natura Mitglied der Baukommission Wegsanierung Obere Brecca, Foto 4). Anwesend ist auch Alfons Piller, Präsident der Baukommission und der Bauherrschaft, der Mehrzweckgenossenschaft Schwarzsee.

Nach einer kurzen Einführung zum heutigen Schwerpunkt „Alpwirtschaft wohin?“ durch Walter Vonlanthen nimmt die Gruppe den steilen Anstieg bis zur Steinigen Rippa unter die Füsse. Dort orientieren Oskar Lötscher über die vergangene, aktuelle und mögliche künftige Situation der Alpwirtschaft und Franz-Sepp Stulz kurz über die vor bald 10 Jahren abgeschlossene 1. sowie vor allem über die laufende 2. Etappe der Wegsanierung.

Die Kernaussagen der beiden Referenten lauten: Der Breccaschlund ist eine Landschaft von nationaler Bedeutung. Diese Bedeutung verdankt sie u.a. einer angepassten alpwirtschaftlichen Nutzung. Im Breccaschlund hat es aktuell noch 10 Alpbetriebe. Durch die Kürzung der kantonalen und staatlichen Beiträge, die Senkung des Milchpreises sowie die Umstrukturierungen der Landwirtschaftsbetriebe sind die Anzahl Stösse (1 Stoss = 1 Kuh 100 Tage auf der Alp) rückläufig. Die Hirten, meist Bauern mit einem Talbetrieb, leben mit ihren Familien während des Sommers mehrheitlich auf der Alp. Das Bewirtschaften von Tal- und Alpbetrieb gleichzeitig bedingt gute Verkehrswege. Nach dem erfolgreichen Abschluss der 1. Etappe (Untere Brecca) vor bald 10 Jahren ist nun die 2. Etappe der Wegsanierung (Obere Brecca) im Gange. Sie führt vom Wegkreuz bei der St. Antoni-Brecca im Hauptaufstieg via Marbach-Brecca und Cerniets zum Grand Chalet. Nebenaufstiege sind die Zufahrten zur St. Antoni-Brecca, zum Breccli, zum Bremingard und zum Combi. Das Material für die Fundations- und Deckschicht wird vor Ort gewonnen. Mit Querabschlägen wird die Fahrbahn korrekt entwässert. Die Wegränder und Böschungen werden mit den zurückgelegten „Grasmutten“ sorgfältig wieder belegt. Als Kompensationsmassnahmen für den Landschaftseingriff werden Bergahorn gepflanzt bzw. eingezäunt; die 300 Meter lange Trockensteinmauer zwischen St. Antoni- und Marbach-Brecca wurde fachmännisch bereits wieder hergestellt und es wurden mit der Anlage von neuen Lesesteinhaufen interessante Lebensräume für Kleinlebewesen geschaffen. Die Wiederherstellung einer weiteren Trockensteinmauer beim Rippetli ist geplant. Das ganze Bauvorhaben mit Kosten von ca. 1 Mio Franken, wovon Bund und Kanton 3/4 und die Eigentümer 1/4 tragen, wird mit grosser Sorgfalt ausgeführt.

Zwischen und nach den interessanten Ausführungen entstehen lebhafte Diskussionen über Schafhaltung, Herdenschutzhunde, den Wolf, die Gülle, die zum Teil verschwunden Pflanzen und Kleinlebewesen und die Fuss- und Autotouristen. Auch während des Picknicks in der Marbach-Brecca und des letzten Aufstieg zum neuerstellten Teil des Alpwegs Richtung Grand Chalet reissen die Diskussionen nicht ab. In einem Punkt sind sich die Teilnehmenden alle einig: Die einzigartige Landschaft muss unseren Nachfahren erhalten bleiben.

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